Donnerstag, Februar 27, 2020
Payroll Accounting in der Seeschiffahrt

Man sagt, das deutsche Steuerrecht sei eines der kompliziertesten der Welt. Eine Zeitlang kursierte das Gerücht, dass ungefähr 60-80% der weltweiten Literatur zum Thema Steuerrecht das Deutsche beträfen. Zum Glück ist das nur ein Gerücht. Eine Untersuchung der Wirtschaftsprüfer von PWC brachte sogar die Erkenntnis, dass es bei den Briten und Amerikanern noch viel komplizierter sei, obwohl sich diese Länder klassischerweise dem freien und ungehinderten Unternehmertum verschrieben haben. Das soll aber nicht heißen, dass es hierzulande einfach ist. Kaum ein einfacher Arbeitnehmer ist in der Lage seine Steuererklärung eigenhändig fehlerfrei zu erstellen. Geschweige denn haben es Unternehmen leicht. Es ist eben nur so, nicht ganz so schlimm im Vergleich ist, wie viele denken mögen.

Genau das ist auch der Grund, warum sich verschiedene Beratungen eine Branche, bzw. eine Nische gesucht haben, in der sie sich als Payroll-Accounting    und Controlling Specialists hervortun.

Was macht Gehaltsabrechnung in der Schifffahrt so besonders?

Arbeitgeber im Bereich der Schifffahrt unterliegen besonderen Ansprüchen. Große Unternehmen wie Mareval AG, Holland America Line, oder DAL – Deutsche Afrika-Linien GmbH und Co KG – nur um ein paar zu nennen, haben ihre Standorte meist in Bremen oder Hamburg. Von dort schicken Sie ihre Frachter über die Weltmeere. Auf den Schiffen arbeiten zum Teil Bürger, die ihren Haupt-Wohnsitz in Deutschland gemeldet haben. Ihr Job jedoch bringt es mit sich, dass die Beschäftigten teilweise über Monate auf den Weltmeeren in internationalen Gewässern unterwegs sind. Damit entstehen eine ganze Reihe von steuerrechtlich und arbeitsrechtlich bedingten Herausforderungen, die nicht jeder Controller oder Buchhalter ohne besondere Erfahrung so einfach lösen kann.

Eines davon ist zum Beispiel das Thema Urlaub. Manche Fahrten können mehrere Monate in Anspruch nehmen. Während einer so langen Zeit, können nicht immer alle gesetzlichen oder tariflich zugesicherten Urlaubstage genommen werden. Entweder werden diese dann ausbezahlt oder das Management findet Lösungen, damit die Angestellten sie im Nachhinein nehmen können. Im Falle einer Auszahlung muss eine korrekte Versteuerung stattfinden.

Wie diese zu gestalten ist, genau das ist die große Frage bei einem solchen Job. Denn das hiesige Steuerrecht greift eigentlich nur dann, wenn jemand mehr als 183 Tage eines Jahres auf deutschem Territorium verbringt, egal welche Staatsbürgerschaft derjenige hat. Schiffe sind jedoch kein Territorium. Nur weil der Betreiber seinen Sitz in Berlin, Hamburg oder Düsseldorf hat, kann man diesen Status nicht einfach so auf die Frachter übertragen.

Ein weiterer Punkt zu Payroll Accounting in der Seeschiffahrt ist die korrekte Ermittlung von Zulagen

Wer 24 Stunden am Tag unterwegs ist, der kann nach der Arbeit nicht nach Hause fahren. Hat man dadurch quasi permanent eine Art Bereitschaft? Gleiches gilt für Arbeiten an den Wochenenden. Auch dort gilt es immer besondere Regelungen einzuhalten.

All diese Besonderheiten verkomplizieren auf jeden Fall die Gehaltsabrechnung in hohem Maße. Genau das macht Payroll Accounting in der Seeschifffahrt zu einem Job, der besondere Anforderungen an die Kenntnisse der Mitarbeiter, an die IT und das Controlling stellen. Denn viele der oben genannten Sonderfälle müssen von einer Software richtig abgebildet werden können. Eine Standard-IT-Lösung, wie sie Steuerberater verwenden, um Banken, Bäcker oder Handwerker usw. zu bedienen, reicht oft gar nicht aus.

Solche besonderen Nischen ermöglichen es wiederum Unternehmen, um kleine Märkte für sich zu erobern und dort eine herausragende Stellung einzunehmen.

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