Dienstag, Mai 26, 2020
Die fünf Wirtschaftsweisen

Die fünf Wirtschaftsweisen

In Deutschland gibt es einen Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Bekannter ist dieses Gremium unter dem Titel der 5 Wirtschaftsweisen. Seine Aufgabe ist es der Bundesregierung als unabhängiges Beratungsorgan zu dienen, welches keine parteipolitischen Ziele verfolgen soll. Wir zeigen Ihnen wer diese Wirtschaftsweisen sind, wie sie in diese Position gelangten und was genau zu ihren Aufgaben und Befugnissen gehört.

Entstehungsgeschichte des Sachverständigenrats

Vorbild für dieses Gremium war das US-amerikanische Council of Economc Advisors. Die Mitglieder dieser Gruppe sind ausgewiesene Top-Experten für alle Fragen der Wirtschaft. Sie beraten den Präsidenten zu Themen der Volkswirtschaft und Fiskalpolitik. Ihnen wurde keine öffentliche Rolle zugedacht.

Auch in Deutschland kam der Ruf nach einem ähnlichen Gremium auf. Ludwig Erhard, der als geistiger Vater des deutschen Wirtschaftswunders gilt, legte das Konzept 1958 auf den Tisch. Allerdings zeigte sich Kanzler Konrad Adenauer sehr erbost und fragte ihn, ob er „sich selbst eine Laus in den Pelz setzen wolle?“.

Im Jahr 1963 setzte sich die Idee durch und es kam zur Verabschiedung des Gesetzes über die Bildung eines Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Erhards Konzept ist dahingehend geändert, dass die Mitglieder keine neuen Wirtschaftsweisen ernennen können. Dieses Recht obliegt stattdessen dem Bundespräsidenten.

Wie werden die Wirtschaftsweisen gewählt?

Wie bereits erwähnt, werden die Mitglieder im Sachverständigenrat vom Bundespräsidenten ausgesucht. Allerdings kann er/sie nur aus den Kandidaten wählen, die von der Bundesregierung vorgeschlagen werden. Eine Ernennung erfolgt für eine Zeitspanne von 5 Jahren. Wiederernennungen sind möglich.

Um die Neutralität der Zusammensetzung zu gewährleisten, hat es sich in Deutschland eine besondere Tradition herausgebildet. Ein Kandidat ist vom Gemeinschaftsausschuss der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft („Arbeitgeberticket“) vorgeschlagen. Ein weiterer wird auf Vorschlag der Gewerkschaften („Gewerkschaftsticket“) hin ernannt und im Parlament durchgewunken.

Mit dieser Maßnahme soll verhindert werden, dass der Rat nur zum verlängerten Arm der jeweils aktuellen Bundesregierung wird.

Was sind die Aufgaben des Sachverständigenrats?

Im Gegensatz zu ihren amerikanischen Kollegen, wird den fünf Wirtschaftsweisen eine aktiver Rolle zugedacht. Bei aktuellen Entwicklungen der Wirtschaft, sollen sie an der öffentlichen Diskussion aktiv teilhaben. Sie sollten dabei politisch neutral bleiben und durch ihre Kompetenzen dazu beitragen, dass sich die deutsche Volkswirtschaft langfristig und nachhaltig entwickelt. So die Grundidee.

Die genauen Aufgaben der Weisen ist per Gesetz geregelt. Zu ihrer Arbeit gehört es die Gesamtlage der deutschen Wirtschaft zu beurteilen und Gutachten bzw. Prognosen zu erstellen. Zudem sollen sie der Regierung Vorschläge und Lösungsansätze liefern, um die wichtigsten Grundpfeiler einer gesunden Wirtschaft zu stabilisieren:

  • niedrige Inflation / stabiles Preisniveau
  • Vermeidung von Arbeitslosigkeit
  • Herstellung eines außenwirtschaftlichen Gleichgewichts
  • Sicherung eines stabilen BIP-Wachstums

In einer sozialen Marktwirtschaft wie der unseren, gehört es auch dazu auf die gerechte Verteilung der Einkommen und von Vermögen zu achten. Zudem sollen sie auf Fehlentwicklungen hinweisen, wie zum Beispiel Spekulationsblasen oder Bedrohungen durch technologischen Wandel.

Die wohl bekanntesten Arbeiten der Sachverständigen sind die wirtschaftliche Jahresprognose und die aktuelle Konjunkturprognose.

Aktuelle Mitglieder im Sachverständigenrat

Stand 01/2020 sind diese Mitglieder im Rat vertreten:

Christoph M. Schmidt (seit März 2009; Vorsitzender seit März 2013)
Lars P. Feld (seit März 2011)
Isabel Schnabel (seit Juni 2014)
Achim Truger (seit März 2019)
Volker Wieland (seit März 2013)

Als erste Frau war Isabel Beatrice Weder di Mauro Teil dieser Institution.

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